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Pro 15:30 – Der Fußball-Fan als Sieger

von: sven_klein

Punktsieg der Fans beim Kampf gegen die Spieltag-Zerstücklung
Seit Beginn der Rückrunde in der letzten Saison fielen nicht nur dem Stadionbesucher sondern auch dem Fußball-Fan auf dem heimischen Sofa vermehrt Transparente auf, auf denen vehement die willkürlich anmutende Ansetzung der Spielpaarungen im deutschen Fußball seitens des Deutschen Fußball-Bund (DFB) und der TV-Sender angeprangert wurde. Die „PRO 15:30“- Plakate und Transparente in den Stadien der 1. und 2. Liga waren unübersehbar. Die Medien-Mogule wie die Kirch-Gruppe kamen da nicht gut weg. Und natürlich wollten die übertragenden TV-Anstalten solche störende Elemente nicht in ihren Live-Bildern an die Salzstangen knabbernde und Bier schlürfende Nation daheim senden. Deshalb wurden die Kameraleute neu instruiert.

Aber es nützte alles nichts. Die Fußball- „Boykotteure“ kannten jeden (Übertragungs-) Winkel der Stadien und posestierten die selbstgebastelten Banner medienwirksam vor den Kameras.
Zur Verbreitung der Interessen wurde alsbald auch das Internet genutzt. Auf der immer noch aktuellen Seite www.pro1530.de werden Forderungen und regionale Kontaktmöglichkeiten genannt, ebenso Pressestimmen und Aktionen dokumentiert.
Nun ist es vollbracht. Wenn am 28. Juni die kommende Saison angepfiffen wird, hat die Fan-Initative „Pro 15:30“ einen ersten Punktsieg gegen den DFB und die TV-Sender gelandet. Nach einer sechsstündigen Tagung des Liga-Verbandes in der DFB-Zentrale im Frankfurter Hermann-Neuberger-Haus, einigten sich die Herren auf „nur noch“ zwei Bundesliga-Spieltage: So sollen sieben Begegnungen zur Fan-freundlichen Zeit am Sonnabendnachmittag um 15:30 Uhr stattfinden, die restlichen beiden Spiele werden am Sonntag um fünf oder halb sechs angepfiffen. Der Freitag- und Samstagabend blieben somit „fußballfrei“. Zusätzlich wird es so etwas wie eine „Kilometerbegrenzung“ geben, die besagt, dass die Sonntagsspiele nicht zwischen Vereinen ausgetragen werden sollen, deren Entfernung mehr als 300 Kilometer voneinander beträgt. TV-Fußball mit bewegten Bildern soll es in der kommenden Spielzeit zur Prime-Time ab 20.15 Uhr auf SAT 1 zu sehen geben. Die Konkurrenz der Spielshows und Hollywoodfilme fürchtet man beim Sender mit dem Ball als Logo nicht.
Abgesegnet ist dieser Beschluss aber noch lange nicht. Zunächst müssen sich DFB-Präsident Gerhard Mayer-Vorfelder und Fernsehrechte-Inhaber Leo Kirch zusammen setzen, damit die Pläne auch in die Tat umgesetzt werden könnten. Aber dass von den alten Herren des DFB überhaupt solch ein Vorstoß angedacht wird, ist an sich schon erstaunlich und somit eben ein erster Punktgewinn für die Fans. Doch gleich gibt Wolfgang Niersbach zu bedenken: „Es wird schwer, das Rad wieder zurückzudrehen. Da die TV-Verträge der Champions League noch bis 2003 laufen, ist dort keine Änderung möglich“, so der DFB-Pressesprecher. Doch meint er auch: „Die Champions League ist eine Krux!“.
Der übertragendende Sender „Premiere World“ erklärt in Person von Programmsprecher Olaf Markhoff: „Wie haben die Spielpläne nicht gemacht, sondern sind nur Teil der großen Fußball-Welt“. Aha, völlig unschuldig also. Und SAT 1? –: „Wir müssen derart hohe Lizenzen zahlen, da brauchen wir die Sendeplätze, um durch Werbung unsere Kosten zu decken“, meint Sportchef Philipp Geiss.
DFB-Teamchef Rudi Völler erkannte immerhin, dass „wir diesen Protest sehr ernst nehmen müssen, denn die Fans sind die Kunden, ohne sie geht nichts“. Ihm folgend Daniel Scheinhardt, Kicker beim Bundesliga-Aufsteiger FC St.Pauli: „Wenn der Samstagnachmittag der Lieblingstermin der Fans ist, sollte man diesen Forderungen doch nachkommen können“. Für den Kiezkicker fällt nun zwar der verhasste Montagabend als Spieltermin mit Live-Übertragung im DSF weg, doch bei den Fans steht die Abschaffung dieses fanfeindlichsten aller Termine als nächstes auf dem Programm. HSV-Coach Frank Pagelsdorf ließ die Zuschauer ganz außen vor und outete sich als Gleichgesinnter der Initiative: „Es bleibt dabei, der Sonnabend ist der beste Bundesliga-Tag. Ein Abendspiel ist doch nur was für die Sofahocker“. Bravo Herr Pagelsdorf!
Doch nicht nur solche Aspekte gilt es für die Planer in Frankfurt zu bedenken. Auch die kurzfristige exakte Terminierung der einzelnen Begegnungen stellt Fans und Fanbetreuer vor erhebliche Probleme. Auswärtsfahrten werden kaum planbar, weil die Anzahl der mitfahrenden Fans eine große Unbekannte ist und somit die benötigten Kapazitäten den Reiseunternehmen nicht rechtzeitig genannt werden können. Und wie verwirrt schaut wohl manch Arbeitgeber auf die Liste seines fußballbegeisterten Angestellten, auf der dieser seine Urlaubstage notiert hat…?