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Rückblick Saison 1999/2000

von: cp

Die Saison 1999/2000 hatte alles was der Fußballfan sich wünscht. Meister und Abstiegskandidat Nr. 3 wurden erst am letzten Spieltag ermittelt.
Obwohl Bayern München vor der Saison als haushoher Favorit gehandelt wurde, entwickelte sich ein erbitterter Zweikampf um die Meisterschale.
Welchen die Bayern dann im Fernduell nur gewannen, weil Leverkusen in Unterhaching stolperte.

Zum ersten Mal in der Geschichte des DFB-Pokals gab es eine Wiederauflage des Vorjahresfinales. Bremen und Bayern trafen erneut in Berlin aufeinander, in der Wiederholung der Begegnung von David und Goliath mussten sich die Bremer diesmal jedoch geschlagen geben. Bayern München untermauerte seine Ausnahmestellung im deutschen Fußball und machte das Double.

Trotz allem war es nicht so einfach wie vorher erwartet.
Nach dem Abschied von Lothar Matthäus verspielte Bayern seinen Vorsprung vor Leverkusen, das, nachdem es aus Pokal und internationalem Wettbewerb ausgeschieden war, die stärkste Mannschaft der Rückrunde wurde.
Aus dieser Mannschaft besonders herauszuheben sind Stefan Beinlich, der nachdem sein Wechsel zu Hertha feststand eine überragende Rückrunde spielte und mit 11 Treffern torgefährlichster Mittelfeldspieler der Bundesliga wurde, sowie Paulo Rink, der sich nach seiner Rückkehr aus Brasilien verdientermaßen einen Stammplatz im Sturm erkämpfte.
Am Ende reichte Bayern jedoch das bessere Torverhältnis.

Die Saison 1999/2000 präsentierte auch eine Menge Überraschungen.
Dortmund, mit Neueinkäufen für über 50 Mio. DM , selbsternannter Meisterschaftskandidat, enttäuschte auf der ganzen Linie.
14 Spiele blieb das Team in der Rückrunde in Folge ohne Sieg, und geriet so in Abstiegsgefahr.

Eintracht Frankfurt, im Vorjahr die Klasse gerade so gehalten, startete mit einer enorm verstärkten Mannschaft, die vom Papier her, im oberen Tabellendrittel hätte spielen müssen.
Zur Winterpause war das Team abgeschlagen und abgeschrieben auf Platz 18. Der neue Trainer Felix Magath wurde seinem Ruf als Retter gerecht und führte die Eintracht wie ein Phoenix aus der Asche aus dem Keller.
30 Punkte holte die Eintracht in der Rückrunde, so dass Frankfurt sich trotz Punktabzug durch den DFB im Abstiegsendspiel gegen Ulm aus eigener Kraft retten konnte.

Ulm erlebte überhaupt eine Berg- und Talfahrt wie selten ein Team in der Bundesliga. Kaum waren die Spatzen abgeschlagen, starteten sie eine Siegesserie, die sie in sichere Gefilde der Tabelle führte, um dann eine Negativserie anzufangen, die sie wieder in den Keller führte.
Zweimal machten dies die Ulmer, wobei die Höhepunkte dieses auf und ab die am 23. und 24. Spieltag gewonnenen Spiele gegen Bremen und Hamburg, Tiefpunkt das 1:9 zuhause gegen Leverkusen waren.
Das war der Beginn der dritten Talfahrt.
Trotzdem fehlte den Ulmern am Ende nicht viel, auch sie hätten am letzten Spieltag gegen Frankfurt aus eigener Kraft die Klasse halten können.

Der HSV, der seit Jahren nichts mehr mit der Tabellenspitze zu tun hatte, spielte eine starke Saison. Das ganze Jahr waren die Hamburger oben zu finden und hatten lange Zeit sogar Chancen auf die Meisterschaft.
Der dritte Platz den sich der HSV erspielte wurde von keinem anderen Verein bedroht.

Der vierte Tabellenplatz, der zur Teilnahme an der Championsleague-Qualifikation berechtigt, war hart umkämpft.
Kaiserslautern, Werder Bremen, Hertha BSC und 1860 München waren die Hauptanwärter auf diesen vierten Platz.
Bremen verlor nach dem Aus im UEFA-Cup die Form, Kaiserslautern wurde von einer Heimschwäche befallen, und so sah es für Hertha recht gut aus.
Ein Remis gegen Freiburg und eine Niederlage gegen die direkte Konkurrenz von 1860 München kostete Hertha dann allerdings die Position.
1860, das diesmal auch eine starke Rückrunde spielte, holte sich Dank dem wiedererstarkten Thomas Häßler und dem neuen Torschützenkönig Martin Max den 4. Platz.

Kaiserslautern und Hertha BSC landeten auf den Plätzen 5. und 6. und starten genauso wie Pokalfinalist Bremen im UEFA-Cup.

Freiburg und Rostock hatten das ganze Jahr über mit dem Abstiegskamp zu tun, alles andere wäre auch zuviel gewesen. Freiburg überzeugte zwar immer wieder durch mannschaftliche Geschlossenheit und gutes Kurzpassspiel, aber es fehlte die Konstanz. Hansa Rostock ist wohl Rekordhalter in vergebenen Führungen. Kein anderes Team gab so oft wie die Hanseaten den Sieg noch aus der Hand, und erst der erste Auswärtssieg am 34. Spieltag gegen Schalke garantierte den Klassenerhalt.
Freiburg und Rostock profitieren wohl eindeutig aus der jahrelangen Erfahrung im Abstiegskampf und von der Tatsache, dass sie realistisch genug waren kein anderes Ziel zu verfolgen und sich nur darauf zu konzentrieren.

Die Sensation der Saison überhaupt ist die SpVgg Unterhaching. Der Mini-Club mit dem kleinsten Stadion, dem kleinsten Etat, aus der kleinsten Gemeinde der Bundesliga mit der billigsten Mannschaft, wurde viel belächelt und von allen Experten als Absteiger Nr. 1 gehandelt.
Trainer Köstner gelang jedoch mit der Spielvereinigung das Unmögliche. Das Fundament seines Erfolges war die fantastische Heimstärke der Hachinger (nur 2 Niederlagen), ein entschlossenes Auftreten auswärts und wohl die Tatsache, dass sie von niemanden ernst genommen wurden.

Nur Bayern München und Kaiserslautern holten gegen die Spielvereinigung 6 Punkte, Borussia Dortmund und VfB Stuttgart dagegen keinen einzigen.
Mit dem Abstieg hatten die Hachinger nichts zu tun, und zur Freude der Fans des Münchner Vorstadtklubs erwiesen sie sich im finalen Fernduell als Meistermacher. Unverhofft kommt oft, und so schlugen die Hachinger Leverkusen mit 2:0 und machten deren Meisterträume zu Nichte.

Unterhaching dürfte jetzt endlich den letzten Beweis dafür erbracht zu haben, dass ein sportlicher Aufsteiger eben durch diesen Aufstieg seine Daseinsberechtigung in der 1. Liga hat. Etwas anderes würde die 2. Bundesliga nicht zulassen.

Der 1. FC Köln, der VfL Bochum und Energie Cottbus, die Duisburg, Bielefeld und Ulm ablösen werden, sind mit Sicherheit nächstes Jahr ebenfalls für Überraschungen gut. Darauf, und auf vieles mehr kann sich der Fußballfan freuen.

Auch die nächste Saison wird Überraschungen, Sensationen und Tragödien beinhalten.
Langweilig war die Bundesliga noch nie und wird es wohl auch nie sein, spannungsgeladen wie eh und je wird auch die 38. Bundesligasaison sein.